Landestreffen 2009 im Teufelsmoor
2493Der Knabe im Moor
O schaurig ist’s über’s Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist’s über’s Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
So beginnt eine Ballade von Annette von Droste-Hülshoff.
Und in dieser Gegend, in Bredbeck, fand das Landestreffen 2009 statt!
Allerdings, schaurig war es nun wirklich nicht :)
Wie üblich gab es drei Schwerpunkte: Lernen, Klönen, Bewegen. Dabei ist der Aspekt „Lernen“ sicherlich der anspruchsvollste. Es gab einige sehr interessante Vorträge, die auch gut besucht waren:
Zur Einstimmung wurde den Nichtansässigen der Radweg „
Vom Teufelsmoor zum Wattenmeer“ vorgestellt, damit wir uns ein Bild machen konnten, wo wir uns eigentlich befanden. Danach ging es dann nahtlos über zum Programmteil „Klönen“, bei dem es zu einer Reihe informativer Gespräche kam. (
siehe Bildergalerie)
Am nächsten Tag war der Vormittag wieder dem „Lernen“ gewidmet: Es wurde über Finanzen und Buchhaltung genauso referiert wie über Gesundheit beim Radfahren. Auch wurde genau erklärt, welche ergonomischen und sportmedizinischen Grundregeln beim Radfahren zu beachten sind. Neben Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten eines Fahrrad-GPS Gerätes kamen auch verkehrspolitische Themen nicht zu kurz: Die Neuerungen der StVO im Zusammenhang mit den Empfehlungen zu Radverkehrsanlagen wurden gründlich erläutert. Der Optimierung der Vereinsarbeit widmete sich der Vortrag über Kommunikationsmöglichkeiten zwischen KV und LV, wobei insbesondere die geplanten Regionalkonferenzen thematisiert wurden
Nach diesem anstrengenden Vormittag kam das Mittagessen, und „Nach dem Essen sollst Du ruhn, oder 1000 Schritte tun“. Der KV Osterholz hatte zwar eine schöne Radtour ausgearbeitet, aber wegen der nicht ganz optimalen Witterungsverhältnisse fanden sich keine Teilnehmer.
„Bewegen“ stand aber trotzdem auf dem Plan, denn die Wanderer hatten da mehr Glück: Nicht nur hörte der Regen auf, gerade als wir am Startpunkt der Moorwanderung angekommen waren, auch hatten wir einen sehr gut informierten „Moorführer“, der in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit sehr viele informative Details aus Vergangenheit und Gegenwart des Moores zu berichten wusste. (Und in der Vergangenheit war es fürwahr schaurig, über das Moor zu gehen, oder gar im oder vom Moor zu leben).
Zum Aufwärmen ging es wieder zurück in die Vortragsräume, wo das Thema Ergonomie mit praktischen Tipps ergänzt wurde. Die Fahrräder mancher Teilnehmer wurden richtig eingestellt, mit dem Erfolg, dass die Eigentümer zum Teil ihre Räder kaum
wiedererkannten. Auch das ADFC –Tourenportal kam nicht zu kurz: Möglichkeiten und Bedienung bei der Eingabe von neuen Strecken wurden anschaulich erklärt. Nach dem Abendessen gab es noch einen Kurzvortrag über den Erfolg des MdRzA Projektes, und dann war wieder „Klönen“ angesagt.
Am letzten Vormittag wurde das Thema StVO-Novelle und ERA noch einmal im Plenum vorgestellt und diskutiert, bis dann nach dem Mittagessen die erfolgreiche Veranstaltung zu Ende war.
Links zu einigen der Vorträge:
Der Knabe im Moor
O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt –
O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind
Hinducket das Knäblein zage.
Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor’,
Die den Haspel dreht im Geröhre!
Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran, als woll’ es ihn holen;
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!
Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“
Der Knabe springt wie ein wundes Reh,
Wär’ nicht Schutzengel in seiner Näh’,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwehle.
Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimathlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief athmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich,
O, schaurig war’s in der Heide!


